Dienstag, 13. Dezember 2011

Schulausflug, wilde Schüler und Sonnenschein

Hallo ihr Lieben,

Nach fast einem Monat schaff ichs endlich mal wieder, euch auf den neuesten Stand zu bringen. Hier war in letzter Zeit wirklich einiges los, bzw. ich hab viel schönes, aber auch schweres erlebt. Ich versuch's mal n bisschen zu kategorisieren:

Aktuell:
Problem der Nachbarsfamilie:

Micaela- die 5-Jährige
Eine meiner Nachbarsfamilien habe ich in letzter Zeit selten gesehn, und mich schon ziemlich gewundert, zumal die kleinen 2 und 5 Jährigen Mädels oft zu uns nach Hause kamen. Elizabeth ist dann mal hoch um zu fragen, was los ist bzw. ihr ein Abendessen zu bringen. Heulend erzählte ihr die Mutter wie schlecht es ihnen zu Zeit geht:
Der Vater, Maximo, 25, hat Aids, und liegt im Sterben. Sie selbst ist Epileptikerin und ich habe letzte Woche, 2 solcher Anfällel live miterlebt. Sie war auf dem Heimweg von der Arbeit- sie verkauft Bonbons auf der Straße- hatte ihre 3 Lleinen dabei. 4 Monate, 2 Jahre und 5 Jahre. Sie selbst ist erst 19. Elizabeth und ich liefen hinter ihr und rufen, hallo Isabelle- wie gehts dir? Sie dreht sich um, beginnt zu zucken und kippt weg. Gerade noch rechtzeitig konnten wir einen Sturz verhindern.
Während sich ein paar Nachbarn um sie gekümmert haben, habe ich versucht die kleinen Mädels abzulenken. Kurze Zeit später gings ihr wieder einigermaßen gut, sodass wir vollens hoch bis zu ihrem Haus laufen konnten. Dort gab es keinen Strom mehr, man hat ihn ihr abgestellt und auch ihre Lampe war kaputt. Ihr "Haus" besteht aus einem Schrank, der zum Bett für die kleinen umfunktioniert wurde. 1 Bett für Vater und Mutter und das Baby zusammen. Keine Küche, keine Spüle, ein Eimer und Wasserkübel als Badersatz.
Letzte Woche war sie im Krankenhaus um ihren Mann einzuliefern, dort haben sie gleich den HiV-test gemacht. Baby, die 2-Jährige und die Mutter sind HIV-positiv. Es fehlt allerdings noch ein bestätigender Test, der diese Woche gemacht werden soll. Die große nicht, da sie einen anderen Vater hat. Dank der überwältigen Anteilnahme aus Deutschland konnte ich bereits einiges an Nahrung und Kleidung für die Familie kaufen. Vielen, vielen Dank!
Ich werde euch nächste Woche neues von der Familie berichten.

Schule:

Am 18. November hatten wir den lang ersehnten Schulausflug mit vielen Schülern, allen Lehrern und auch einigen Eltern in den gambusinas., einer Art Parkanlage mit Fluss, Schwimmbädern, Fußball und Volleyballfeldern. Trotz zweier Buspannen kamen alle (5) Busse heil an und auch wieder zurück nach Mariategui. Dank der Spenden aus Deutschland (Danke iT) konnten auch Schüler mitkommen, die sich den Schulausflug sonst nicht leisten können. ( 3 Euro) Alle genossen den Tag wirklich sehr! Von den 180 Schülern, die dabei waren, konnten allerdings nur 5 schwimmen, was alles etwas schwieriger machte, doch wir hatten viel Spaß!
Seit Mitte November bin ich nicht mehr bei den 3-Jährigen , sondern bei den 2.Klässlern als Hilfskraft. Ihre Lehrerin, Mariela, ist im 9. Monat schwanger und brauchte Unterstützung. Die Kids sind ne ziemlich wilde Truppe (32), mit 2 (lern-) behinderten Kindern, einem ADHS- Kind (Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom- ich liebe dieses Wort;)) und allgemein einiges aggressiven Schülern. Ich war jeden Tag mehr als fertig als ich nach Hause kam und habe mich immer schon auf die Freitage gefreut, an denen ich Englischunterricht in den anderen Klassen hatte. Am 28. Und 29. November hatten wir eine Evaluation der 2.Klässler vom Kultusministerium. Sie haben sich aufgeführt wie die letzten… Mariela und ich waren mit den Nerven am Ende, doch wenigstens haben sie gut abgeschnitten  Seit der ersten Dezemberwoche ist ein neuer Lehrer, Andres, in der Klasse. Seither ist alles wesentlich entspannter, da er die Kinder besser im Griff hat. Er bleibt noch die letzten 3 Wochen bis zu den Sommerferien.
In der letzten Novemberwoche standen die monatlichen Examen an, was für mich viel Klassenarbeiten erstellen und - korrigieren bedeutete. Auch diese Woche bin ich ständig am Korrigieren, da wir mitten in den „examenes finales“ stecken…

Mit den Torten
18 glückliche 5-Jährige
Am Freitag war die „promocion“ der 5-Jährigen. Ich war die Patentante der Promotion, sprich ich habe die Torten bezahlt, und ihnen ihre „diplomas“ überreicht. Es war wirklich ein sehr schönes Fest, die Mädels mit ihren Prinzessinenkleidchen, die Jungs mit Anzügen, doch für manche Eltern eine finanzielle Herausforderung. Doch alles sollte perfekt sein- „genauso wie im Fernsehen“- wie eine Mutter sagte. Man merkt, wie sehr die Feste anderer, gut entwickelter Länder, wie von USA, übernommen werden sollen, um ihnen „ähnlicher zu werden“. Ob das gut oder schlecht ist - streitbar.
Heute waren wir die Weihnachtsgeschenke für die Schüler einkaufen. 265 T-Shirts. Am Donnerstag ist die Promo der 6.Klässler, die dann in die Secundaria wechseln. Am Mittwoch ist noch eine Art Abschlussfest des Schuljahres und dann sind auch schon Ferien. Bis Ende Februar. Das heißt, ich werde manche meiner Schüler gar nicht mehr sehen. Der Abschied wir vermutlich schwer, sie sind mir doch schon sehr ans Herz gewachsen.

Gesundheit:

Am letzten Novemberwochenende plagten mich schon am Freitag blöde Magenschmerzen. Samstag wars dann einigermaßen okay, doch in der Nacht auf Sonntag hatte ich Koliken im Minutentakt. Trotz Schmerztabletten wurden sie bis zum Morgen nicht besser, sodass Elizabeth meinte, das beste wäre, ins Krankenhaus zu gehen, um mich durchchecken zu lassen. Das erste Krankenhaus hatte zu (wie wenn man sonntags nicht krank werden könnte...) , im zweiten wurde recht schnell 'ne Magenschleimhautentzündung vermutet und mir eine Schmerzinfusion gelegt. Eine Magenspiegelung und mein Blutbild am Folgetag bestätigten dies. Seit dem musste ich meine Ernährung etwas umstellen und täglich Tabletten nehmen, doch ich merkte schnell, wie mir das alles geholfen hat. Die schmerzen sind in der Zwischenzeit weg und mir geht's wirklich wieder gut!

Freizeit:

Jeden Mittwoch haben wir unseren Hauskreis, gemeinsam besuchen wir auch wöchentlich junge, alte, kranke, traurige oder einsame Frauen / Männer. Oft fehlt die Motivation doch noch nie habe ich bzw. wir einen Besuch bereut...Man lernt viel und man merkt, wie sehr die Gespräche, Singen etc. den Personen helfen.
Seit letzter Woche habe ich einen Schlüssel von Ulrikes Wohnung, die in einem reicheren Stadtteil wohnt. In Abmachung mit Elizabeth und Ulrike schlafe ich ab jetzt jeden Freitag bei Ulrike, um abends auch mal ein bisschen aus San Juan de Lur Lurigancho rauszukommen. Letztes Wochenende hab ich das gleich ausgenutzt und bin mit Mareike und Jimena (ihrer Gastschwester) ins Kino und anshcließend wollten wir noch etwas trinken gehen. (natürlich nur Tee, da mein Magen nichts anderes verträgt...;)) In der bar haben wir zufälligerweise 4 andere deutsche Volontärinnen aus Deutschland kennen gelernt- davon 2 aus Tübingen... die Welt ist einfach klein!
Am Samstag hab ich mit bekannten aus Chile noch eine Art Sight-Seeing-Tour durch ganz Lima gemacht. Ich hab ihnen alles gezeigt, was ich kenne und hab wohl selbst so viel von Lima gesehen, wie in den ganzen 4 Monaten noch nicht.
Um ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, habe ich für meine Gastfamilie eineAdventskette gemacht. Mein Adventskalender aus Deutschland, Dominosteine und Marzipan aus der Heimat versüßen mir den ein oder anderen 25-30 °C heißen, anstrengenden Schultag. Bis jetzt fühlt sich hier aber trotz Weihnachtsbaum nichts wie Weihnachten an.
Sommer, Sonne, ja sogar Strand ;)

So, wenn ihr tatsächlich ganz unten in meinem bericht angekommen seid, seid ihr bestens informiert.

Ich drück euch aus der Ferne!
Elle

Dienstag, 15. November 2011

Halbzeit

Heute ist ziemlich genau die Hälfte meiner Zeit in Peru vorbei. Nach den ersten 3 Monaten ist Zeit, ein kleines Resumee zu ziehen.

Ich genieße meine Zeit in Peru wirklich sehr. Die Arbeit in der Schule macht viel Spaß, auch wenn die Schüler teilweise wahnsinnig anstrengend sind. Doch sie sind wirklich mehr als süß, was mich so manches schlechtes vergessen lässt. Die Schule ist für viele der Schüler, eine wirklich tolle und einzigartige Möglichkeit eine gute Bildung zu bekommen. Das Frühstücksprogramm läuft gut, die Mütter kommen abwechselnd, um für ca. 250 Schüler und 12 Lehrer zu kochen. Dank ihrem guten Ruf, hat sie auch die letzten Wochen wieder sehr viele Anmeldungen für das nächste Schuljahr- zu viele, um alle aufnehmen zu können. Es gibt nicht genügend Räume, doch eventuell wird nächstes oder übernächstes Jahr angebaut, doch dafür braucht der Verein Unterstützung. Vielleicht möchte ja der ein oder andere euch etwas dazu beitragen:

Konto-Nr.: 28 25 02-755
bei Postbank Karlsruhe (BLZ 660 100 75)
Kontoinhaber: El Buen Samaritano e.V., Mössingen

In der Familie geht es nach wie vor super, Elizabeth nennt mich liebevoll ihre "hija mayor" (große / älteste Tochter). An die Lebensverhältnisse habe ich mich nach 1,2 Wochen gewöhnt und bis heute stellen diese kein Problem für mich dar. Natürlich wünscht man sich manchmal eine warme Dusche ohne langes Warten, Leitungswasser trinken zu können oder barfuß laufen zu können... 
Am Anfang hat mir die Kälte etwas zu schaffen gemacht, aber in der Zwischenzeit ist hier angenehm warm, den ersten Sonnenbrand hab ich mir auf meiner Reise geholt :)
Diesen Freitag haben wir unseren Schulausflug, alle Schüler freuen sich sehr. Wir versuchen durch Spenden, allen Schüler die Fahrt ermöglichen zu können. 
Am Wochenende waren wir in Huarál auf einer Beerdigung. Der 35-Jährige Bruder von Elizabeths Halbschwester ist beim Fußballspielen zusammengebrochen und war sofort tot. Es war bereits meine 4. Beerdigung in 3 Monaten. Ist meistens traurig, aber auch ziemlich komisch, wenn man die Leute nicht kennt und auf einmal so tut wie wenn... Doch man lernt, damit umzugehen.

Jetzte freue ich mich auf die 3 weiteren Monate- mal sehen, was ich alles noch erleben darf!
Ich hoffe euch geht es gut!
Liebste Grüße
Elle

Mittwoch, 9. November 2011

Reise

Lago Titicaca, Machu Picchu und sämtliche Ruinen
Hallo ihr Lieben,

Letzte Woche hatte ich eine -wirklich wunderbare- Reisewoche mit Katha. In der Zwischenzeit sind wir beide wieder gut an unseren "Arbeitsorten" angekommen und widmen uns wieder ganz unseren eigentlichen Beschäftigungen. Doch um euch einen kleinen Einblick in unsere Reise zu geben, erzähl ich euch nun etwas ausführlicher wie die Woche so ablief und welch tolle, beeindruckende Orte wir besichtigt haben:



Ich hatte recht kurzfristig erst am Mittwoch in einem Reisebüro eine Art "Reisepaket" für Katha und mich gebucht, doch so groß die Zweifel am Anfang waren, gelohnt hat sich jeder Cent und zusätzlich wurde uns jede Menge Stress erspart:
Am Sonntagmorgen (30.10.) ging es in aller Frühe für mich schon auf den Flughafen in Lima, um nach Juliaca zu fliegen. Dort wurde ich von unserem ersten guía (Führer) Pablo mit einem Schild " Elena Manz" erwartet, der mich dann in unser Hotel nach Puno gebracht hat. Dort hab ich dann versucht, ein bisschen Schlaf nachzuholen, bis Katha dann gegen halb 4 am Bahnhof ankam. Die Wiedersehensfreude von uns beiden war rießig. 



Sillustani

Vom Bahnhof ging es dann direkt nach Sillustani, wo wir unter strömendem Regen, Grabestürme aus und vor der Inkazeit direkt an einer Lagune angeschaut haben. Abends haben wir uns noch einige Festumzüge in Puno angeschaut, bevor wir mehr als müde ins Bett fielen.




Am nächsten Morgen wurden wir um 6.45 zu unserer Tour auf den Titicacasee abgeholt. Zuerst besichtigten wir die Islas de Uros, schwimmende Inseln, die zwar sehr besonders, aber auch wahnsinnig touristisch waren. So standen die Einheimischen bei unserer Ankunft schon am Rand der Insel und sangen Lieder wie " Vamos a la playa" oder "My Bonnie is over the ocean".


Taquile

Von dort fuhren wir 3 h mit dem Boot zur Isla Taquile. Ein kurzer Aufstieg zum Marktplatz, viele Fotos und zum Abschluss noch ein typisches Mittagessen: trucha a la plancha (gebratene Forelle) 


Raqchi

Am Dienstagmorgen ging es dann mit dem Touribus nach Cuzco. Touribus deshalb, da er an verschiedenen sehenswerten Orten Stopps hat:- Pukara- ein Museum
     - Inkastätte Raqchi
     - La Raya- Markt und Landschaft
     - Mittagsbuffet in Sicuani
     - Sixtinische Kapelle in Andahuaylillas


Gegen 18 Uhr waren wir dann in Cuzco, wurden (mal wieder mit ganz schickem Schild) abgeholt und in unser Hotel gebracht. Wir gönnten uns an der Plaza de Armas noch einen Caipi für 2,50 €- ein Traum. Am nächsten Morgen durften wir ausnahmsweise mal ausschlafen- 8.30 Uhr. Den Vormittag schlenderten wir durch Cuzco, besuchten verschiedene Märkte etc. Nachmittags hatten wir eine geführte Tour zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten in und um Cuzco.


Tambomachay

Qorikancha- Sonnentempel
Saqsaywaman- Inkafestung
- Q'enko- Festplatz für Mumienkult
Tambomachay- Inkabrunnen
- Puka Pukara- Bergfestung
War zwar alles sehr interessant, doch oft ähnlich. 



Am Donnerstag packten wir das nötigste für 2 Tage zusammen und fuhren mit ein paar anderen Touris und mit derselben Guide wie am Vortag ins heilige Tal der Inkas- Valle Sagrado. Wir besichtigten Pisaq- eine ehemalige Inkastadt. Der kleine Aufstieg lohnte sich wirklich, da wir von oben einen tollen Ausblick hatten. Von dort aus gings weiter nach Ollantaytambo, was eines der besterhaltendsten Beispiele für die Stadtplanung der Inkas ist. Außerdem erlitten die Spanier hier ausnahmsweise mal eine bittere Niederlage.
Heutzutage endet hier die Strasse und man kann entweder zu Fuß (4 Tage) oder mit dem Zug weiter Richtung Machu Picchu durch das Urubamba Tal gelangen. Unsere Zugtickets hatten wir von unserem Guide bereits in Cuzco bekommen. Abends wurden wir dann vom Bahnhof in unser Hostel nach Aguas Calientes, ein Dorf am Fuße Machu Picchus gebracht. Der nächste Tag sollte das Highlight unseres Kurztrips sein: Machu Picchu. Morgens wurde unsere Freude etwas getrübt, als es wie aus Kübeln schüttete, doch mit sämtlichen Jacken ging es um 7 Uhr mit einer kleinen Gruppe und spanischsprachigem Guide mit den Bus-Shuttles nach oben. 


Der Regen ließ etwas nach und wir genossen- trotz heftigem Nebels- die Aussicht auf die wirklich atemberaubende Inkastadt. Wir schlossen uns kurzerhand einer deutschen Tourigruppe an und hatten eine sehr interessante Führung durch die ganzen Ruinen. Der Regen hörte auf, der Nebel verschwand- die Natur und der Ausblick war wunderschön. Nachmittags gings noch in die aguas calientes- heiße Quellen, bevor wir spätabends wieder mit dem Zug zurück nach Ollantaytambo fuhren. Mehr als erschöpft kamen wir dann mit unserem Bussle gegen 1 Uhr in Cuzco an. 





Nach einer kurzen Nacht hatten wir am Samstag unsere letzte Tour nach Moray- eine in Terrasenform angelegte Plantage und die Salzanlage las Maras, was beides wirklich toll war. Für den Abend hatten wir noch Eintrittskarten für typische peruanische Tänze bekommen, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Unseren wunderbaren Trip beendeten wir noch mit einem Abschiedscoktail. Am nächsten Morgen ging es früh auf den Flughfaen in Cuzco, von wo aus Katha wieder nach Bolivien und ich zurück nach Lima geflogen ist.

Wir haben unseren Trip beide sehr genossen. Obwohl mir meine Arbeit und das Leben hier in Lima gut gefällt, tat es gut, mal wieder andere Verhältnisse zu sehen. Es war schön zu sehen, wie sehr sich hier in Lima wieder alle auf mich gefreut haben! 

Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr erfriert in Deutschland nicht, während ich hier in kurzen Hosen und Tshirts rumspring ;)
Un abrazo, 
Elle

--> irgendwas spinnt da mit dem Hintergund der Bildunterschriften, verzeihts mir!

Freitag, 28. Oktober 2011

Desfile (Umzug)

Desfile (Umzug)

Desfile (Umzug) und Anniversario del colegio (Schulfest)

Hallo ihr Lieben,

die letzten 2 Wochen waren mehr als voll, doch wirklich schön.
Zusätzlich zum Unterricht standen die Vorbereitungen für den desfile (Umzug) am 14.Oktober - anlässlich des Dorffestes von Mariategui- und für das 1-wöchige Schulfest (24.-28.Oktober) an:
- Die Schüler probten das Marschieren für den Umzug
- Plakate und Banner mussten angefertigt werden
- Essen musste bestellt und gekauft werden
- eine Band musste organisiert werden
- das Feuerwerk bestellt werden
- Spiele wurden vorbereitet
- Trikots wurden angefertigt
etc.....

Ihr seht, jede Menge Arbeit für die Lehrer, Hilfskräfte und Mütter...
beim Marschieren
Formieren in der Schule

Aber bis jetzt hat alles wirklich gut geklappt. Der Desfile war toll, verschiedene Schulen haben teilgenommen. Nach der Parade, kamen sämtliche Mütter auf mich zu, um zu fragen, ob ihr Kind ein Foto mit mir machen darf. Blonde, blauäuige Mädchen sind hier in Mariategui halt äußerst selten. Ich fühlte mich fast wie ein Promi... Schwierig für mich war, die sämtlichen Anfragen, die verschiedenen Schulen zu unterstützen, abzulehnen. Man sieht hier teilweise große Armut und möchte natürlich helfen, wo es nur geht. Doch oft weiß man nicht, wer wirklich Hilfe benötigt.
Costa, Sierra, Selva y Alemania ;)

Letzte Woche hab ich mitbekommen, dass die Tochter eines Kollegen meines Dads auch in Lima ist. Recht spontan verbrachten wir einen Nachmittag zusammen und genossen es beide, mal wieder schwäbisch zu schwätzen. Sie bleibt noch bis Mitte Dezember in Lima.

mit ihren Deutschland-Trikots
Diese Woche haben wir unser Schulfest, was nicht wie in Deutschland nur 1 Tag, sondern gleich eine ganze Woche geht. Am Montag hatte jede Klasse einen Wissenscontest in Form einer fächerübergreifenden Klausur. Am Dienstag gab es ein Fuß-und Volleyballturnier. Den verschiedenen Klassen wurden Länder zugeteilt, zufälligerweise zogen meine Kleinen (3Jahre) Deutschland. Die Mütter ließen für ihre Kinder Deutschlandtrikots anfertigen mit dem Aufdruck "Alemania", auch ich bekam eines geschenkt.
Am Mittwoch war die Gimkana, ähnlich wie eine Spielstraße. Gestern gab es noch einen Kunstwettbewerb, einen Laternenlauf, Feuerwerk... Heute waren zum Abschluss noch die Tanzwettkämpfe und die Siegerehrungen der Woche.

Parallel habe ich meine Reise in den Süden Perus organisiert, wo ich mich mit Katha treffe. Am Sonntagmorgen geht's schon los. Wir freuen uns riesig.

VIEL LOS!!

Ich hoffe, euch geht es soweit gut.
Macht's gut!
Abrazo,
Elle

Montag, 10. Oktober 2011

Parillada- Grillaktion der Schule

parillada

170 korrigierte Englischhefte, 300 Kg Fleisch, 46 Täuflinge

Hola a todos,

endlich schaff ich's mal wieder, euch auf den neuesten Stand zu bringen...

mit meinen Kleinen in der Pause
Die Schule bzw. das Unterrichten läuft wirklich gut. Meine Kleinen sind nach wie vor 'ne wilde Horde, doch unglaublich süß. Oft komme ich morgens ziemlich müde in die Schule, aber spätestens wenn ich das Klassenzimmer betrete, alle angerannt kommen, dich umarmen, und lautstark "Elenita" rufen, ist man topmotiviert und freut sich auf den Vormittag. Jeden Tag zeigen sie mir stolz ihre gemachten Hausaufgaben, neue Turnschuhe oder erzählen mir sämtliche Geschichten. Auch mit den größeren Primaria-Schülern klappt es immer besser. Es ist schön zu sehen bzw. zu hören, dass die Schüler erste Fortschritte in Englisch machen...

Oktober ist ein wahrer "Feste-Monat" der Schule: anniversario (Jubiläum), Parillada (Grillaktion), Paseo (Schulausflug), Desfile (Umzug) etc. Das heißt wir haben bzw. hatten einiges vorzubereiten.
Diesen Freitag hatten wir die Parillada, die nach einer bestimmten Zubereitung eines Fleischs benannt ist.:  Jede Klassenstufe bekam letzte Woche seine Aufgabe (Einkaufen, Kartoffeln waschen, schälen, schneiden, Salat zubereiten, Grillen etc. ) zugeteilt. Am Freitag ab 5 Uhr morgens standen dann bereits die ersten Mütter in der Küche der Schule, um Kartoffeln zu kochen. Gegen 12 Uhr war alles fertig zubereitet und jede Familie der Schule konnte die bestellten Essen (insgesamt ca. 650) mitnehmen. Insgesamt wurden ca. 130 kg Kartoffeln, 300 kg Fleisch, 30 Salatköpfe, 20 kg Karotten usw. verbraucht. Der Morgen war für uns alle sehr anstrengend, doch der Aufwand hat sich gelohnt. Umgerechnet haben wir ca. 1300 Euro eingenommen, mit denen wir die Klassenräume mit elektrischen Geräten ausstatten wollen..

Andrea und ich in Miraflores
Meine Wochenende waren in letzter Zeit mehr als voll, aber immer schön :). Samstagvormittags geh ich immer zu Marely, meiner Deutschnachilfeschülerin. Vor 2 Wochen hab ich mich anschließend in Miraflores mit 2 Peruanerinnen meines Alters getroffen, die ich über einen Freund aus Spanien kennen gelernt hab. Adriana war letztes Jahr für 11 Monate in Deutschland. Wir waren ein bisschen shoppen, Churros (frittiertes Gebäck) essen und sind dann zu Andrea nach Hause. Dort habe ich die Nacht verbracht, da es abends zu gefährlich ist, alleine in "meinen Stadtteil" zurückzufahren. Am Sonntag sind wir dann noch mit der ganzen Familie typisch peruanisch essen gegangen. Ich hab das Wochenende wirklich sehr genossen und war erstaunt wie gastfreundlich die Familie zu mir war, obwohl sie mich ja überhaupt nicht kannten...

Letztes Wochenende hatte ich mich mit meinen 12-Jährigen Gastschwester um 13 Uhr in Miraflores verabredet. Ich war schon etwas früher von meiner Nachhilfe zurück gekommen und wartete  im Mc - mit Chicken McNuggets (welch Abwechslung zum täglichen Reis)- auf sie. Gegen 13 Uhr rief mich dann meine Gastmutter an, und sagte mir, dass Juana noch nicht mal von zuhause los sei. (Von Zuhause bis zum Treffpunkt braucht man ca. 1,5 h)...UFF! Mal wieder bekam ich die peruanische Pünktlichkeit zu spüren....
Shoppingcenter am Meer
Gilary
Gilary, ein peruanisches Mädchen, 21, das am Tisch neben mir saß, hatte alles mitbekommen, setzte sich zu mir, und bot an mich anschließend noch zu einer Shopping-Mall direkt am Strand zu begleiten. Gesagt getan. Dort genoss ich meinen Starbucks-Kaffee und schlenderte etwas durch die Läden.
 Gegen 16 Uhr kam dann auch Juana. Wir setzten uns in einen Park, hörten den Straßenmusikern zu und anschließend zeigte ich ihr ein bisschen die Läden bzw. Sehenswürdigkeiten Miraflores. Ja- eigentlich müsste das ja genau umgekehrt sein, doch sie war selten dort, kann sich an vieles nur aus Kindheitstagen erinnern....für mich unvorstellbar.
Juana
Taufe
Um 19.25 waren wir wieder zuhause, um 19.30 wurden wir schon zum nächsten Event abgeholt. Ein Nachbarsmädchen wurde getauft, meine Gastmtter und mein Gastbruder sind die Paten. Der Gottesdienst, in dem 46 Kinder getauft wurden, war ein wahres Chaos, zumal der Pfarrer kaum Spanisch sprach...
Mit der ganzen Familie des Patenkindes ging es gegen 22.30 Uhr nach Hause, um Abend zu essen...Von dort hetzten wir zu Juanas Schule, die ihr Jubiläum feierte. Elizabeth, bzw. unsere Schule, hatte das Feuerwerk gespendet, welches wir natürlich sehen wollten.
Feuerwerk
Gegen 1.30 Uhr gings nochmal kurz zur Taufgessellschaft und anschließend zum Geburtstag einer anderen Nachbarin. Mehr als müde waren wir dann ca. um 4 Uhr endlich zu Hause...es war zwar ein anstrengender und langer, aber dennoch sehr schöner Tag!

Letzten Mittwoch ist leider mein Nachbarsjunge Alex gestorben. Er war körperbehindert, doch gesundheitlich zur Zeit eigentlich recht fit. Er war erst 8 Jahre alt. Elizabeth und ich haben das Bestattungsunternehmen beauftragt und alles weitere organisiert, da die Familie kaum finanzielle Mittel hat. So wollte die Mutter ihren Sohn in einem zu kleinen Sarg beerdigen, da das Geld für den großen nicht reichte. Wir haben sie überredet und zusammengelegt, sodass Alex einen würdigen Abschied hatte.

Festival der Familie
Dieses Wochenende hatte ich keine sonderlich schöne Nacht von Freitag auf Samstag, da ich die Nisperos (Obstsorte), die ich gegessen hatte, nicht vertragen hab... doch am Samstagnachmittag ging es mir schon wesentlich besser. Um 17 Uhr hatten wir ein Familienfestival einiger Kirchen. Es traten verschiedene Sänger und Tänzer auf. Am Sonntag hatte ich morgens eine Videosession mit der halben Verwandtschaft, anlässlich des Geburtstages meines Bruders. Es war wirklich schön, alle mal wieder zu sehen- wenn auch nur per Kamera. Danach gings auf ein Fußballturnier des Gastbruder und anschließend zumr 3. Geburtstag unserer Gemeinde, es gab ein paar kleine Aufführungen der Kinderkirche und kurze Ansprachen. Zum Abschluss gab es Torte für alle.

Ihr seht, bei mir ist viel los, doch genau das genieße ich! Schon fast 2 Monate bin ich jetzt hier, und freue mich an jedem weiterem.
Ich hoffe euch geht's gut:)

Abrazos,









Dienstag, 20. September 2011

Endlich Fotos...

Schule

Peruanische Behörden und deutsches Bier

Challo, (so klingt es wenn Peruaner "Hallo" sagen wollen)

Wie der Titel schon andeutet, hab ich die letzten Wochen etwas Einblick in den Papierkram der Schule bekommen. Da Elizabeth die Schulleiterin ist, liegt es in ihrem Aufgabenfeld, alle Registrierungen, Eigentumsfragen, Evaluationen, Baupläne etc. zu bearbeiten und den entsprechenden Behörden vorzulegen. Meistens verlässt sie mit mir schon 1-2 h vor Unterrichtsende die Schule in Richtung Zentrum, um sämtliches zu erledigen, denn sonst würden wir erst um Mitternacht nach hause kommen. Für jede Angelegenheit gibt es ein extra Gebäude, die oft 30 Bus- bzw. Taxifahrt von einander entfernt liegen. In jedem muss mindestens eine "Wartenummer" gezogen werden. So kam es durchaus vor, dass wir 2h (!) warten mussten, um eine Bescheinigung zu erhalten, dass wir ein anderes Gebäude betreten können....Verrückt. Zwischendurch schauten wir immer wieder bei ihrem Anwalt vorbei, um sämtliche Papiere beglaubigen zu lassen...Klingt einerseits ziemlich langweilig, ist aber durchaus spannend, da man hier und da mit korrupten Personen in Berührung kommt. (Elizabeth arbeitet aber NICHT mit ihnen!)

Die Arbeit in der Schule läuft nach wie vor super, die Kleinen (3 Jahre) haben in der Zwischenzeit "A", "E" und "O", und die Zahlen 0-3 gelernt. Allerdings glaube ich nach wie vor, dass sie für "Schule" zu klein sind. Die Lehrerin gibt sich zwar größte Mühe alles auf spielerische Weise zu erklären, doch die Kinder würden viel lieber draußen auf dem Hof spielen...- verständlicherweise. Jeden Montag Morgen gibt es die "formacíon" aller Schüler auf dem Hof mit kleiner Ansprache der verantwortlichen Lehrerin und kurzen Beiträgen der Schüler ( September ist der Monat der Bibel, daher gibt es diesen Monat kurze Anspiele biblischer Geschichten).Gemeinsam singen alle noch die peruanische Nationalhymne und verabschieden die Flagge. (siehe Fotos)
Der Englischunterricht klappt ganz gut, die Schüler zeigen Interesse und freuen sich rießig an meinen 5.- Klasse-English-Songs wie "Hi there, hi there"...

Letztes Wochenende begleitete ich Ulrike zu einem kleinen "Vino-Fest" bei ihren Freunden, die in einem reicheren Stadtteil Limas wohnen. Dort probierten wir verschiedene Weine, aßen peruanische Spezialitäten wie Papa a la huancaina und unterhielten uns bis spät in die Nacht... Doch die Peruaner hören selten zuhause auf zu feiern, sondern gehen anschließend noch in eine Bar.
Einer der Freunde Ulis, Marcos, ist Professor für Physik an der "Universidad de Lima", einer PrivatUni, mit ca. 14000 Studenten. Er lud mich für Mittwoch dorthin ein, zeigte mir sämtliche Vorlesungssääle, Seminarräume, die Außenanlage, und stellte mich sowohl Studenten als auch Professoren vor. Bei einem (endlich mal wieder richtigen) Kaffee auf der Dachterasse, wurde ich von den Profs über deutsches Bier, deutsche Autos und die deutsche Wirtschaft ausgefragt...
Der Tag war wunderschön, wenn auch absolutes Kontrastprogramm zu meiner Arbeit und Wohnsituation in San Juan der Lurigancho.

Dieses Wochenende waren wir auf einem Jubiläum eines Verlages eingeladen. Gina, Elizabeth und ich genossen dort leckeres, Essen, peruanische Musik, und typische Tänze. Anschließend fuhr ich zu meiner Deutschnachhilfeschülerin Marely, die von Januar bis März in Stuttgart als Austauschschülerin sein wird. In der Zwischenzeit kann ich einige Strecken alleine fahren und weiß auch ca. wo ich umsteigen muss, doch da ich hier, dank meinem deutschen Aussehen, einfach auffalle, ist es abends und an manchen Orten noch zu gefährlich.

In der Zwischenzeit kam auch mein Kameraakku an, das heißt ich kann euch endlich mehr Bilder in besserer Qualität präsentieren.

Mir geht's sehr gut- ich hoffe euch auch?!

Samstag, 17. September 2011

Huarál

Hola, Aló, Buenas noches,

Eduardo, Juana y yo
seit meinem letzten Post sind schon wieder 2 Wochen vergangen und ich bin tatsächlich schon mehr als einen Monat in Lima- increíble. Am ersten Septemberwochenende war ich in Huarál, einer kleinen Stadt ca. 2 h nördlich von Lima. Dort wohnen die Schwestern von Elizabeth, meiner Gastmutter. Angekündigt waren wir in Huaral um 21 Uhr, in Lima losgefahren sind wir um 22 Uhr - die peruanische Pünktlichkeit. Nach einer wirklich angenehm gemütlichen Busfahrt kamen wir dort gegen 00.00 Uhr an, teilten uns auf die verschiedenen Häuschen auf und wurden am nächsten Morgen gegen 7 mal nicht von Hähnen und Hunden, sondern von einer Blaskapelle geweckt. Zum Früchstück gab es Escabeche. Elizabeth, ihre Kinder und ich machten uns dann schon recht bald auf richtig Huando, einem Nebenort Huarals, um die Obstplantagen zu besichtigen. da leider alles recht verriegelt und mit Hecken umzäunt war (Diebe!), konnte man nicht allzu viel sehen, doch allein der Geruch erinnerte mich an das Tropenhaus der Wilhelma.
Sämtliche Marinen- Orangen-, und Bananenbäume konnte man trotz allem hinter der Hecke erkennen. Die Bewohner dieses Vorortes sind wesentlich ärmer als die Einwohner Huarals. Ihre Hütten sind aus Stoff- bzw. Schilfresten gebaut, die Wäsche waschen sie im Fluss...
Anschließend besichtigten wir das Zentrum Huarals, mit kurzem Abstecher zu einem der vielen Schuhputzer am Straßenrand. Was mir zunächst äußerst unangenehm war ist für diese Leute oft die einzige Möglichkeit, sich über Wasser zu halten.

Im Schloss mit Eduardo
Gemeinsam mit meinen "peruanischen Cousins" Andrés und Xiomara, meinen Tanten "Roxana und Mery" gings dann in ein typisch peruanisches Familienrestaurant. Einmal mehr konnte ich nur den ersten Gang essen, die Portionen sind riesig. Für 8 Menús bestehend aus Suppe, Hauptgang und jeweils 1 Liter Inca Cola, dem Nationalgetränk bezahlten wir insgesamt umgerechnet 15 Euro. Nachmittags gings dann aufs Schloss in Chancay. Ziemlich künstlich angelegt, unbewohnt und mehr für sein gutes Essen bekannt. Abends löcherten mich alle mich Fragen über Deutschland, meine Familie und erzählten mir lustige peruanische Geschichten.
Castillo de Chancay
Sonntagnachmittag gings dann auch schon wieder zurück nach Lima. Schön war's.

Donnerstag, 1. September 2011

Profe, Señorita Elena, Miiiiira! (Schau mal!)


Hallo ihr Lieben,

Schon wieder ist mehr als eine Woche vergangen- die Zeit scheint hier zu rasen.
Die 3-Jährigen beim Puzzlen
Nach meiner Grippe konnte ich am Donnerstag wieder in Schule gehen, wo ich zusätzlich zu den 3 Jährigen, zum ersten mal auch Englisch unterrichtete. Die Kinder, die ich unterrichte, gehen in die Primaria, vergleichbar mit unserer Grundschule.(Klasse 1-6). Die Lehrerin drückte mir ein Blatt mit Vokabeln (Spanisch- Englisch- Ausprache) in die Hand, meinte ich soll sie an die Tafel schreiben, sie gehe solang ein paar Kopien machen. Ich begrüßte die Schüler also auf Englisch, schrieb die Vokabeln an die Tafel, ließ sie abschreiben, um danach gemeinsam alles zu lesen. Schnell war klar, dass die Priorität eindeutig NICHT auf der Aussprache liegt. Von überall her rief es: " Profe, Profe"(Abkürzung für Lehrer), "Senorita Elena" oder "Miss", um mir zu zeigen, dass sie wieder ein Wort richtig auf Englisch abgeschrieben hatten ;). Die Schüler waren zwar sehr wissbegierig, doch nicht die Vokabeln sondern vielmehr meine Familie und Deutschland allgemein waren Inhalt ihrer Fragen. Ich hatte ein paar Fotos dabei, versprach Ihnen sie zu zeigen, wenn sie gut mitarbeiten. Susanna, ihre Lehrerin, kam erst mit dem Klingeln wieder zurück...( Gott sei dank war ich von ehemaligen Volontären vorgewarnt, dass die Lehrer hier schnell mal abhauen, um sich nicht zu blamieren).
Nachmittags treffe ich mich ab und zu mit ein paar Nachbarsmädchen- und jungs, um gemeinsam Volley- oder Fußball zu spielen.

Kathedrale am Plaza de Armas
Am Samstag begleitete ich Eduardo - meinen Gastbruder (17) - zu seiner Uni (2h Busfahrt), um eine Hausarbeit abzugeben. Doch die Profs hatten sich kurzerhand freigenommen. Die geschenkte Zeit nutzten wir, um das Zentrum von Lima zu besichtigen. Der "Plaza de Armas" ist umgeben von einer riesigen Kathedrale, historischen Gebäuden und auch dem Palast des Präsidenten. Zufällig war genau als wir dort waren "Schichtwechsel" der "Leibwächter", was einen Auftritt der Blaskapelle mit sich brachte. War echt lustig bzw. interessant mitanzusehen. Elizabeth und Juana kamen später noch dazu, gemeinsam besorgten wir ein paar Dinge, wie ne Schiene für Eduardos Schulter, die er sich vermutlich  gebrochen hat :/ All das, ist hier frei verkäuflich, so gibt es zum Beispiel auch einen Laden, in dem man Zahnarztstühle, Röntgenlampen oder auch OP-Besteck kaufen kann. Am Schluss gingen wir noch auf einen Nachtmarkt, wo unter anderem ein TV-Star aus Peru auftrat und Kleinigkeiten wie Honig oder Schokospieße verkauft werden. Auf dem Heimweg genoss jeder von uns noch einen frisch gepressten Mango-, bzw. Maracujasaft.
Ich freue mich immer sehr, wenn ich mit Elizabeth bzw. ihrer Familie unterwegs bin, denn alleine ist das hier für mich - aus Sicherheitsgründen - nicht möglich.

Luis, einer meiner Kleinen.
Diese Schulwoche war wieder toll, so langsam kennt man die einzelnen Schüler, kennt ihre -oft traurigen- Schicksale, ihre Stärken und Schwächen. In Zukunft werde ich evtl. den ein oder anderen Schüler hier vorstellen.

 Morgen geht's für 2 Nächte nach Huarál, einer ca. 2 h entfernten Stadt, wo Elizabeths Verwandte wohnen- ich freu mich drauf! :)

Ich hoffe euch geht's soweit gut und ihr genießt die letzten Sommertage, während es bei mir so langsam Frühling wird...:)

Dienstag, 23. August 2011

Die ersten Tage in Mariátegui


Nach einer ziemlich kalten ersten Nacht bekam ich zum Frühstück eine Art frittierter Pfannenkuchen --> Lecker!
blaues Gebaeude: El niño Jesús
Elizabeth und ich gingen dann gegen 8 Uhr gemeinsam zur Schule (El Niño Jesús), die in nur ca. 3 Minuten zu Fuß zu erreichen ist. Dort wurde ich in jeder Klasse kurz vorgestellt, durfte selbst ein paar Worte sagen und wurde dann von jeder Lehrerin persönlich begrüßt. Die Schüler (3 Jahre - 12 Jahre) – die hier alle Schuluniform tragen - löcherten mich abschließend noch mit Fragen wie: „warum hast du blonde Haare“, „welche ist deine Lieblingsfußballmanschft“ etc.
Gegen 9 begann ich mit meiner eigentlichen Aufgabe: die Lehrer im Unterricht zu unterstützen.
Von Mittwoch bis Freitag war ich bei den allerkleinsten, den 3-Jährigen. Die Kids lernen im Moment die Farben, ausschneiden, kleben, und erste englische Worte. Ich half also wo nötig, musste die englischen Worte vorsagen und rannte geschätzte 200 Mal aufs Klo mit den Kleinen. Alle Schüler bekommen dort täglich ein Frühstück- für viele die einzigste Mahlzeit am Tag.
Ungefähr um 1 gehen die Kinder wieder nach Hause. Zum Mittagessen gehen Elizabeth und ich meistens nach Hause; ihr Sohn, Eduardo (17), hat nur samstags Unterricht und kann so für uns kochen. Nachmittags begleitete ich Elizabeth zum Anwalt, der gemeinsam mit ca. 5 anderen Anwälten, in einer Einfahrt, ein Büro eingerichtet hat. Unvorstellbar für uns Deutsche...

Am Donnerstag besuchten einige Jugendliche (aus Australien,USA,Kanada, Costa Rica und aus Nagold;)) die Schule und wir aßen dort gemeinsam Maccaroni. Sie besuchen einige soziale Projekte in Südamerika und helfen, wo nötig. Spontan schloss ich mich Ihnen für den Tag an, begleitete sie zu einer Art Kinderstunde und nach gemeinsamen Abendessen gingen wir alle gemeinsam in einen Skatepark, wofür ein christlicher Rapper engagiert wurde. Andrés, der Sohn einer Lehrerin, begleitete mich dann auf der ca. 1h langen Fahrt im Colectivo (Mischung von Bus/Taxi) zurück nach Hause.

Am Freitag war ich tagsüber in der Schule bei meinen Kleinen und abends begleitete ich Elizabeth zu ihrer Rechtsvorlesung in die Uni. War recht interessant, (hatten wir alles auch schon in der Schule ;) ), doch ich war wahnsinnig müde und froh, als wir endlich wieder zuhause waren.
Zu den Sitten in der Uni hier: man kommt und geht wann man will, jeder telefoniert lautstark, redet mit den Nachbarn, steht auf, fragt den Prof was, setzt sich wieder hin--> VERRÜCKT

Am Samstag kam zum ersten mal die Sonne raus, es war gleich ca. 8 Grad wärmer. Ich durfte ausschlafen- doch aufgrund von sämtliche Hähnen, die schon um 4 anfangen zu krähen, etlichen Hunden und lautstarker Musik der Nachbarn, war die Nacht um 8 zu Ende. Für den Nachmittag verabredete ich mich mit Uli, der ersten Freiwilligen von „el buen samaritano“(der deutsch-peruanische Verein, mit dem ich weg bin), die seit 9 Jahren in Lima wohnt.
Miraflores, Kueste im Winter
Sie zeigte mir die Touristen- und damit auch reichsten Viertel von Lima: Miraflores und Baranco. Beide liegen direkt am Meer, haben viele schöne kleine Bars, sämtliche Läden, und einige Sehenswürdigkeiten. Sie zeigte mir verschiedene Gebäude, die Strandpromenade und einige kleine Märkte (gut, dass ich nur wenig Geld mitgenommen hatte, sonst wäre ich jetzt arm...;) )  Zum Abschluss gönnten wir uns einen Cocktail in einer exklusiven Bar. Ich rechnete mit extrem hohen Preisen, doch umgerechnet haben wir – dank happy hour (2 für 1)- für 2 Cocktails und 2 Vinos insgesamt gerade mal 7 Euro gezahlt, was man in Tübingen gerne mal für 1 Cocktail zahlt.

Am Sonntag waren wir tagsüber zuhause und um 16 Uhr ging ich mit Elizabeth und meiner Gastschwester Juanita in ihre Kirche. Lustigerweise ist dort ein schwäbischer Pfarrer, der mich sehr herzlich begrüßte. Die Gemeinden hier sind größtenteils frei, und die Gottesdienste erinnern sehr an die JuGos in Deutschland. Anschließend gingen wir noch einkaufen, in einen rießigen Supermarkt, wo sonntagabends ca. 5000000 Leute für die kommende Woche einkaufen - so kam es mir zumindest vor.
Von Sonntag auf Montag wurde meine Erkältung schlimmer und ich liege bis jetzt mit Fieber im Bett, doch es geht mir schon wesentlich besser.
Leider konnte ich deshalb gestern und heute nicht in die Schule gehen, doch so hab ich Zeit um all dies hier zu schreiben...( in Zukunft wird nicht alles so ausführlich sein...)

Kurzum: Mir geht’s eigentlich wirklich gut (wenn wir die Erkältung mal vergessen), die Arbeit macht super viel Spaß, die Kinder sind mehr als süß, und meine Gastfamilie kümmert sich super um mich.

Ich hoffe euch geht’s gut! :)